Für den ruckelfreien Bildgenuss

Ratgeber Hertz: 100Hz, 200Hz, 600Hz sinnvoll?

Freitag, 13.11.2009, von Jan Bojaryn
Sony 200Hz

Eigentlich ist die Einheit Hertz eine einfache Sache, und im Kontext von Video und Fernseher verstehen die meisten sie auch: Hertz ist eine Einheit für die Frequenz und gibt an, wie viele Bilder pro Sekunde gezeigt werden. So weit, so einfach. Aber sind mehr Hertz nun besser, oder nicht? Kann das menschliche Auge so viele Bilder überhaupt wahrnehmen? Und warum werben Hersteller damit, dass Fernseher auf Wunsch auch mal nur 24 Bilder pro Sekunde zeigen? Verwirrung stiften auch viele widersprüchliche Fachmeinungen. Je nachdem, wen man fragt, erfährt man, dass 50 Hertz völlig ausreichen, oder das 600 Hertz echte Vorteile bringen. Die Sache ist also doch ein bisschen kompliziert.

Die Hertz-Angabe gibt grundsätzlich an, wie viele Bilder pro Sekunde ein Fernseher zeigen kann. Das Prinzip dahinter ist ganz einfach: Das menschliche Auge glaubt ab einer gewissen Geschwindigkeit der Bildfolge, es sehe keine Einzelbilder, sondern eine Bewegung. Je schneller die Bildfolge, desto flüssiger die Bewegung.

Auf die Quelle kommt es an: Von PAL bis Kino

Fernseher können höhere Hertzzahlen bieten, sie können aber nichts an einem entscheidenden Faktor ändern: Jedes Quellmaterial besitzt eine bestimmte Bildrate. Kinofilme besitzen traditionell 24 Bilder pro Sekunde, unser Fernsehen der PAL-Norm setzt auf 25 Bilder pro Sekunde; genau genommen werden im PAL-Fernsehen 50 Halbbilder pro Sekunde ausgestrahlt. Je zwei Bilder werden zu einem Bild zusammengesetzt. Das reicht im Grund aus, um Bewegungen einigermaßen flüssig darzustellen. Besonders in hellen Umgebungen wird bei niedrigen Bildraten aber ein Flimmern sichtbar.

Vollbilder aus dem Nichts

Eigentlich wäre also nichts dazuzuholen: Fernsehen wird nur in 50 Hertz ausgestrahlt. Wie wird also die Bildrate magisch verdoppelt? Mit Computertechnik. Das Videosignal muss tatsächlich schnell in einen Zwischenspeicher geladen werden, und der Chip im Fernseher berechnet Zwischenbilder. Das funktioniert inzwischen so gut, dass viele Zuschauer bei 100 Hertz-Fernsehern gerade bei Sport und Action deutlich flüssigere Bewegungen wahrnehmen, als mit 50 Hertz.

Das lässt sich natürlich weiter steigern. Sony und Samsung haben sich im letzten Jahr darum duelliert, wer zuerst Fernseher mit 200 Hertz-Technik anbieten kann. Hier werden einfach noch mehr Zwischenbilder berechnet, das Ergebnis sollte eine noch flüssigere Bewegungsdarstellung sein.

Wieviel Hertz braucht man wirklich?

Eine seriöse Antwort auf diese Frage kann nicht pauschal ausfallen. Vor kurzem sorgte noch eine Studie für Aufsehen, nach der bei LCD-Fernsehern der Mittel- bis Oberklasse keine Unterschiede zwischen Modellen mit unterschiedlicher Bildrate feststellbar waren. Und für viele Zuschauer stimmt das auch. Subjektive Wahrnehmung, Geschmack und nicht zuletzt die Lichtbedingungen im Wohnzimmer spielen alle eine Rolle bei der Frage, ob mehr als 50 Hertz wirklich sinnvoll sind. Zumindest im direkten Vergleich ist der Unterschied zwischen 50 und 100 Hertz aber für viele Menschen sichtbar.

Bei 200 Hertz wird die Frage schwieriger. Hier muss man auf jeden Fall selber testen, bevor man sich entscheidet, mehr Geld für die höhere Bildrate auszugeben.

Schlechtes Bild durch zuviel Hertz?

Sehr hohe Hertz-Zahlen können auch Nachteile bringen. Das Problem liegt auf der Hand: Der Fernseher muss letztendlich raten, wie sinnvolle Zwischenbilder aussehen würden. Wie gut das gelingt, hängt stark von der verwendeten Lösung ab. Jede Variante hat Vor- und Nachteile.

Vielleicht am bekanntesten ist inzwischen der sogenannte „Soap-Effekt“ — die schnell zwischenberechneten Bilder sind nicht ganz so detailliert wie das Originalbild, wodurch feine Details verloren gehen. In der Folge hat man oft den Eindruck, dass unbewegte Felder im Bild statisch aussehen. In Anlehnung an die Kulissen billiger Fernsehserien sprechen hier viele vom besagten Soap-Effekt. Aufhellungen an Konturen können außerdem zum sogenannten Halo-Effekt, zu deutsch Heiligenschein, führen.

Wer auf ganz feine Details schaut, der findet auch Fehler bei den Zwischenbildern. Vor allem in Testvideos, in denen feine Linienmuster bewegt werden, bekommen viele Fernseher Schwierigkeiten und zeigen Objekte fehlerhaft. Bei normalen Fernseh- und Videobildern ist das deutlich seltener ein Problem.

Wird die Lichtquelle in schneller Folge an- und ausgeschaltet, oder werden schwarze Zwischenbilder eingeschoben, werden ebenfalls subjektiv flüssigere Bewegungen erreicht. Hier kann allerdings die Bildhelligkeit leiden.

Jeder Fernsehhersteller, der etwas auf sich hält, hat seine eigene Technologie zur Bildverbesserung entwickelt. Damit man Fernseher mit hohen Bildraten erkennt, und weiß, wer etwas besonderes bietet, stellen wir hier die bekanntesten Marketingvokabeln kurz vor.

Sony: Motionflow

Sony gehörte zu den Pionieren, die unter dem Namen Motionflow echte Zwischenbilder berechnet. Erst in 100 Hertz, inzwischen auch in 200 Hertz, und bei Motionflow Pro 100 Hz auch inklusive einer dunklen Bildzeile, die bei jedem Bild nach unten bewegt wird. Das hilft zusätzlich gegen Unschärfen und macht die Schwarztöne dunkler.

LG: TruMotion

In Prototypen kommt LG auf überraschende 480 Hertz als Bildrate. Im Laden stehen bereits Modelle mit TruMotion 200 Hz. Dabei wird allerdings ein Trick eingesetzt: Zusätzlich zu berechneten Zwischenbildern blinkt die Lichtquelle, es wird also in schneller Folge abwechselnd ein dunkles Bild und der normale Inhalt gezeigt. Im Ergebnis hilft das gegen Soap-Effekte, kann allerdings zu Lasten der Bildhelligkeit gehen.

Philips: Perfect Natural Motion

Unter dem ambitionierten Namen Perfect Natural Motion verdoppelt auch Philips die Bildrate. Der Hersteller hat allerdings noch ein besonderes Versprechen. Die berechneten Zwischenbilder sollen hier eine besonders hohe Qualität besitzen. Das soll ganz einfach über dein Einsatz stärkerer Prozessoren zur Zwischenbildberechnung besitzen. Besonders der manchmal auftretende Heiligenschein-Effekt bei bewegten Konturen vor hellen Hintergründen soll so gar nicht mehr auftreten.

Samsung: Motion Plus

Auch Samsung kommt inzwischen auf bis zu 240 Bilder pro Sekunde, was bei der Darstellung von Filmen im 24p-Modus ruckelfreie Wiedergabe verspricht. Mit Motion Plus erfolgt die normale Wiedergabe geräteabhängig in 100 oder 200 Hertz.

Panasonic: Intelligent Frame Creation

Panasonic zückt bei seinen Plasmas die bisher höchste Zahl: auf bis zu 600 Hertz Bildrate kommt der Hersteller mit seinem Vreal Pro 4 Prozessor und unterschiedlich hellen Unterbildern. Erst in diesem Jahr ist es Panasonic gelungen, den Mix aus Bewegungsanalyse und verschiedenen Graustufen mit 12 Zwischenbildern pro Vollbild umzusetzen. Damit sind die Plasmas, ohnehin schon besser als LCDs bei schnellen Bewegungen, noch einmal besser geworden.

Toshiba: Active Vision

Auch Toshiba lässt inzwischen eine ganze Reihe von Bildverbesserungs-prozeduren auf den Fernseher los und ist mit Active Vision M200HD bei 200 Hertz angekommen. Das grundlegende Prinzip ist auch hier dasselbe: Das Bild wird analysiert und echte Zwischenbilder werden eingeschoben.

Wer gewinnt?

Niemand. Alle aufgeführten Hersteller haben ihre Techniken nicht nur entwickelt, sondern in den letzten Jahren auch individuell weiter verfeinert. Wer wirklich genau hinschaut, kommt nicht ums selber testen herum.

Wichtig: Läden mit eigenen Vorführräumen besuchen, eigenes Videomaterial mitnehmen, und die Verbesserungsmodi an- und ausschalten lassen. So wird ein Vergleich möglich. Wem Flimmern und Ruckeln allgemein nicht auffällt, der kann das Thema eigentlich wieder vergessen. Nicht jeder Zuschauer hat den Blick für solche Details.

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