Internet trifft Fernsehen

Ratgeber HbbTV: Alle Infos, Geräte, Vorteile

Samstag, 6.11.2010, von Jan
HbbTV Logo

Wer oder was ist HbbTV? Je nachdem, wen man wie fragt, ist es die logische Weiterentwicklung des Videotextes, die Zukunft des Internets, oder viel Lärm um Nichts. Für Verbraucher ist es vor allen Dingen ein neues, kompliziertes Kürzel mit einer eigentlich einfachen Bedeutung. Wir bringen Licht ins “Hybrid Broadcast Broadband TV”: Wir erklären, was der neue Standard soll, wie er funktioniert, wo man ihn jetzt schon findet, und beurteilen seine Vorteile, Perspektiven und Grenzen. Außerdem werfen wir einen Blick auf HbbTV-Geräte, die bereits im Handel erhältlich sind, oder die bald kommen sollen. Drücken wir auf den roten Knopf!

Das Internet ist im Fernsehen

Internet-Inhalte auf der Mattscheibe im Wohnzimmer — das ist längst nichts Neues mehr. Viele aktuelle HD-Fernseher bieten einfachen Zugriff auf bestimmte Netzinhalte. Unser IPTV-Ratgeber schlägt einen Trampelpfad durch das Dickicht der verschiedenen Angebote.

Damit sind wir bereits bei der großen Stärke von HbbTV: Es soll als Standard für Onlioneinhalte auf dem Fernseher landen. Setzt HbbTV sich durch, dann wird es endlich egal sein, welche Marke der Fernseher hat und welches Programm man schaut — ein einfacher Druck auf den roten Knopf der Fernbedienung ruft dann HbbTV-Inhalte auf. Die Navigation durch die Inhalte soll dann einfach und einheitlich funktionieren.

HbbTV-Inhalte: Nur ein schönerer Videotext?

HbbTV ist der neue, bessere Videotext — das ist vielleicht die beliebteste und sicher nicht die schlechteste Erklärung. Aber sie greift zu kurz. HbbTV kann alles, was auch Videotext kann. Allerdings dürfen hochauflösende Bilder mit auf die Textseiten, die Auflösung wird größer, die Schrift damit schärfer und schöner.

Aber HbbTV kann noch viel mehr. Es liegt an den Fernsehsendern, welche Inhalte sie mit ihrem Programm verknüpfen wollen. Grundsätzlich geht fast alles, was auch im Internet möglich ist. Zum Beispiel Mediatheken: Von ARD, ZDF, RTL, ProSieben und Co. kann man sich dann die Sendungen anschauen, die man verpasst hat — genau so, wie es jetzt schon im Browser am PC klappt. Oder Zusatzinhalte zur gerade laufenden Sendung: Während der Abendnachrichten könnte man ausführlicher nachlesen, was man im kurzen Bericht nicht verstanden hat. Während der Kochsendung könnte man das Rezept aufrufen, dass man auf die Schnelle nicht mitgeschrieben hat. Während der Quizshow könnte man selber mittippen, wie die richtige Antwort lautet.

Fernsehen kann also mit HbbTV individueller und interaktiver werden. Nach anfänglichem Trödeln sind inzwischen alle großen Sendeanstalten mit ersten Inhalten an Bord. In absehbarer Zeit dürften die Inhalte ausgebaut werden, auch kleinere Sender auf den Zug aufspringen. Jetzt schon darf man einem kombinierten Angebot aus schönerem Videotext, anschaulichem Programmführer und Mediathek rechnen.

Voraussetzungen für HbbTV: 1. Settop-Box jetzt, Fernseher später

Den Krampf auf dem Weg zu HbbTV kennt man bereits so ähnlich von der HDTV-Einführung. Eines Tages wird man gar kein Zubehör für HbbTV brauchen, jeder Fernseher wird dann hoffentlich ohne Zubehör fit für den Standard sein — aktuell trifft leider das Gegenteil zu. Kein erhältlicher Fernseher unterstützt die Norm, erste Modelle erscheinen erst 2011.

Also muss der Gerätepark zu Hause um eine zusätzliche Kiste erweitert werden, die HbbTV auf den Fernsehr holt. Die Settop-Boxen müssen nicht unbedngt teuer sein, und integrieren oft genug zusätzliche Funktionen. Bereits erhältlich sind SAT-Receiver mit HbbTV-Unterstützung. Wer also noch keinen HD-fähigen Digitalreceiver für seine Satellitenschüssel besitzt, der kann gleich auf HbbTV aufrüsten, und schlägt zwei Fliegen mit einer Box. Zu entdecken gibt es bereits eine ganze Menge: Neben ARD sind auch ZDF, ProSieben, Sat1 und RTL schon mit HbbTV-Angeboten vertreten.

Grundsätzlich wird HbbTV über alle Empfangswege ausgestrahlt werden: Satellit, Kabel, sogar DVB-T. Vorerst steht nur der Weg über den Satellit offen. Die erste Box für den Kabelempfang soll noch vor dem Jahresende erscheinen, wann Boxen oder Fernseher für den HbbTV-Empfang per DVB-T erhältlich werden, ist noch nicht bekannt.

Voraussetzungen für HbbTV: 2. DSL

Internetfunktionen gibt’s nicht ohne Internet. Jeder DSL-Breitbandanschluss genügt, wie auch am PC gilt aber: Je schneller die Anbindung ist, desto flüssiger und zuverlässiger landen die Inhalte auch beim Anwender. Besonders, wenn man auch zu Stoßzeiten Videos aus Mediatheken schauen will, ist ein flotter Internetanschluss sinnvoll. Die meisten inzwischen erhältlichen DSL-Anschlüsse mit 6 und mehr Mbit/s reichen locker aus, um HbbTV komfortabel zu nutzen. Die HbbTV-fähige Settop-Box wird dann ganz einfach per Netzwerkkabel ans DSL-Modem gehängt.

Jetzt kaufen: HbbTV-Receiver im Handel

Aktuell erhältliche HbbTV-Receiver sind allesamt auf Satellitenfernsehen beschränkt. Dort gibt es aber bereits eine kleine Auswahl, die sich sehen lassen kann.

Der VideoWeb 600S ist vielleicht am bekanntesten. Besonders beliebt sind die starken Internetfunktionen des Receivers, die weit über HbbTV hinausgehen. Trotzdem ist der Receiver einfach zu bedienen. Höchstens die etwas knappe Ausstattung an Schnittstellen ist ein Problem. Den 600S soll es übrigens bald auch als Kabel-Receiver geben.

Der Humax iCord HD+ ist der Pionier unter den HbbTV-Receivern. Trotzdem ist er stark ausgestattet: HD+ für hochauflösendes Privatfernsehen, Festplattenrekorder, und viele Internetfunktionen rechtfertigen auch den etwas höheren Preis.

Mit dem Smart CX10 und dem VX10 ist der Einstieg in HbbTV besonders günstig. Trotzdem integriert die kleine Box viele Funktionen: HD+ ist auch hier selbstverständlich dabei, per USB lassen sich Festplatten anschließen und der VX10 geht auch per WLAN online.

Als “Volksbox” wird die IDL 6650N von Inverto verkauft. Den Namen mag man unfreiwillig komisch finden, die Kiste selbst dagegen gefällt mit guter Bildqualität, WLAN, HD+ und kompletter Schnittstellenausstattung inklusive optischem Audioausgang.

Alternativen zu HbbTV: Hybrid-Fernseher und Wohnzimmer-PCs

HbbTV mag ein wichtiger Standard werden, der Online-Inhalte sehr einfach und einheitlich auf den Fernseher bringt. Neue Funktionen bringt der Standard kaum. Jetzt schon gibt es Mini-PCs, die man an den Fernseher anschließen und kabellos steuern kann, um Online zu gehen, oder Filme von der Festplatte zu schauen. Fast jeder bessere HD-Fernseher, den man heute im Handel kauft, hat außerdem bereits Internet-Funktionen — auf unseren IPTV-Artikel haben wir schon hingewiesen. Dort findet man auch Infos zum Internet-Fernsehen von Alice und T-Online.

Wozu also noch HbbTV? Fernseher sind populär, weil man sie einfach bedienen kann. Ein Windows-PC unterm Fernseher oder ein Gerätepark mit vielen Fernbedienungen ist für viele Kunden keine Option. Wenn endlich jeder Fernseher HbbTV beherrscht, und die Bedienung noch einfacher als beim herkömmlichen Videotext funktioniert, dann ist das ein echter Vorteil. Bald schon könnte es soweit sein. Wir drücken die Daumen.

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