LCD- und Plasma-TVs im Vergleich
Kaufberatung: LCD oder Plasma? Was ist besser?
Dienstag, 20.10.2009, von Jan Bojaryn
Bild: LCD- und Plasma-TVs
Kaum eine Frage bei der Anschaffung von Fernsehern wird so häufig gestellt, wie diese: Ist ein LCD-TV oder ein Plasmafernseher die bessere Wahl? Manche glauben, die Frage sei schon beantwortet. Schließlich hat der Plasmafernseher im Laufe der letzten Jahre einiges an Popularität eingebüßt. Mit Pioneer hat sich gar ein namhafter Wettbewerber aus dem Markt zurückgezogen. Und oft ist ein LCD-Fernseher die beste Wahl — aber nicht immer. Wir geben einen Überblick, welche Technologie sich für welche Zwecke besser eignet. Und wir erklären, wo überhaupt der wichtige Unterschied zwischen Plasma und Flüssigkristall liegt.
Was heißt LCD?
Die Abkürzung LCD steht für Liquid Crystal Display, zu deutsch „Flüssigkristallbildschirm“. Eine Lichtquelle durchleuchtet das Panel von hinten, während die auf einem Raster angebrachte Lösung für Farbe sorgt. Wichtig zu wissen: Es gibt verschiedene mögliche Lichtquellen, die zum Einsatz kommen können, und nicht die farbgebenden Partikel selbst leuchten. Gängig sind Leuchtröhren (CCFL), die große Flächen hinter dem Panel einheitlich hell beleuchten. Die neue LED-Hintergrundbeleuchtung ermöglich flachere Bauformen (als Edge-LED) oder stärkeren Kontrast (flächig hinter dem Panel angebracht mit „Local Dimming“).
Was heißt Plasma?
Plasmabildschirme leuchten von allein: Hier versteckt sich der große Unterschied zum LCD. Das ionisierte Gas steckt in winzigen Zellen und wird selbst zum Leuchten gebracht. Farbgebung und Beleuchtung kommen also von derselben Quelle. Wie schon früher beim Röhrenfernseher sind Plasmabildschirme grundsätzlich anfällig für das Einbrennen feststehender Bilder, also zum Beispiel Logos von Fernsehsendern oder dauerhaft sichtbare Anzeigen bei Videospielen. Das liegt daran, dass das verwendete Phosphor mit der Zeit an Leuchtkraft verliert — und zwar abhängig vom Inhalt, den der entsprechende Bildpunkt anzeigen muss.
Was spricht für LCD-Fernseher?
LCD-Fernseher sind inzwischen klar beliebter, als Plasmafernseher. Das hat einfache Gründe. LCD-Fernseher erreichen besonders gute Werte bei der Bildhelligkeit. Es gibt sie von den kleinsten bis zu den größten Bilddiagonalen. Sie wiegen in aller Regel nicht viel, sie können besonders flach gebaut werden und dabei verbrauchen moderne Geräte auch noch besonders wenig Energie. LCD-Bildschirme hat fast jeder zu Hause; zumindest auf dem Schreibtisch. Denn die TFT-Monitore, die am Computer benutzt werden, sind in aller Regel technisch dasselbe, wie LCD-Fernseher. Entsprechend lassen sich auch viele LCD-TVs problemlos per VGA-Anschluss an den Computer anschließen; und sowieso per HDMI.
Und was spricht gegen LCD-Fernseher?
Auch, wenn vieles besser geworden ist — die Kritik an der Bildqualität von LCD-Fernsehern ist oft noch berechtigt. Größter Problempunkt ist wohl das Kontrastverhältnis. Besonders die klassischen LCD-Fernseher mit CCFL, bei denen wenige Leuchtröhren hinter dem Panel leuchten, erreichen keine allzu starken Kontrastwerte. Andere Lichtquellen können mehr: Flächig hinter dem Panel angebrachte LEDs können mit einer „Local Dimming“ getauften Technologie helle Bereiche voll ausleuchten, während das Gerät gleichzeitig anderswo tiefschwarze Bereiche zeigen kann. Aber das satteste Schwarz findet man immer noch auf Plasmabildschirmen.
Besonders Cineasten und Heimkinobesitzer, die genau hinschauen, bemerken weitere Schwächen. Farbtöne sind oft in Nuancen nicht ganz lebensecht. Außerdem galten Unschärfen bei schnellen Bewegungen lange als Hausproblem der LCD-Technik. Wer die bei modernen Geräten noch ausmachen will, muss aber sehr genau hinschauen. Spätestens mit Einzug der 100 Hertz-Technik können auch LCDs Bewegungen sehr präzise zeigen.
Bei spitzem Betrachtungswinkel verlieren LCDs außerdem stark an Kontrast. Und für große Panelgrößen kosten die Fernseher richtig viel Geld.
Was spricht für Plasmafernseher?
Richtig tolle Bildqualität liefern vor allem Plasmabildschirme. Zwar ist das Gefälle zu LCD-TVs viel kleiner geworden, aber noch immer erreichen Plasmafernseher hohe Kontrastwerte mit besonders tiefen Schwarztönen. Was beim Fernsehen oft kaum auffällt, wird spätestens beim Heimkinoabend schnell deutlich. Dass das Panel selbst leuchtet, bringt weitere Vorteile. Bewegungsunschärfen muss man auf dem Plasma-TV gar nicht fürchten. Farben wirken in aller Regel satt und natürlich, auch aus spitzen Betrachtungswinkeln.
Wer zudem ein großes Fernsehgerät kaufen will, der kommt mit Plasmafernsehern oft günstiger davon, als mit LCD-Fernsehern der gleichen Größe.
Und was spricht gegen Plasmafernseher?
Das wohl populärste Problem der Plasmatechnologie ist dank weiter entwickelter Technik kaum noch aktuell: Der Einbrenneffekt, auch Burn in genannt. Grundsätzlich können sich statische Bilder beim Plasmafernseher immer noch Einbrennen. Wer aber nicht gerade den Fernseher mit Standbild über Nacht eingeschaltet lässt, der muss sich kaum fürchten. Allzu intensive Gamer und Menschen, die rund um die Uhr den selben Sender laufen lassen, sollten Vorsicht walten lassen.
Am besten sehen Plasmafernseher in vernünftig abgedunkelten Räumen aus. In hellen Umgebungen wirkt oft das Bild der leuchtstarken LCDs subjektiv besser.
Schließlich sind Plasmafernseher oft ganz schön schwere Geräte. Wer den Fernseher schonmal innerhalb von Haus oder Wohnung umstellt, oder wer ein möglichst flaches Gerät zur Montage an die Wand sucht, der muss schon zu ganz bestimmten Plasmafernsehern greifen. Die meisten Modelle sind klobiger, als vergleichbare LCDs.
Was also kaufen?
Keine Technik ist also pauschal besser. In unterschiedlichen Einsatzgebieten liefern unterschiedliche Technologien das bessere Ergebnis. Der Übersicht halber fassen wir die Merkmale noch einmal in einer Checkliste zusammen.
- Größe — Wenn es richtig groß werden soll, also über 50 Zoll, dann sind Plasmafernseher häufig günstiger. In kleinen Größen sind sie dagegen kaum noch zu finden. 42 Zoll und alles darunter ist fest in der Hand der LCDs.
- Inhalte — Wer HD-Filme von Blu-ray schaut, der achtet gern auf Details. Und bei der Farbwiedergabe, dem Kontrast und schnellen Bewegungen schneiden Plasmas tendenziell besser ab. Der Vorteil kann auch bei Sportübertragungen sichtbar werden. Wer dagegen vorrangig Fernsehen schaut, der wird bei modernen Fernsehgeräten keine großen Unterschiede mehr entdecken. Wer besonders viel spielt, oder Programme mit vielen statischen Bildelementen schaut, der sollte vorher sicher gehen, dass Burn-In beim Wunschmodell kein Problem ist.
- Stromverbrauch — Generell können LCDs sparsamer sein, als Plasmas. Aber Plasmafernseher sind längst keine Stromfresser mehr. Moderne Plasmas sind deutlich sparsamer geworden. Und anders als beim LCD schwankt der Verbrauch hier auch nach Bildhelligkeit, man vergleicht also zwangsläufig Äpfel mit Birnen. Trotzdem: Besonders LCD-Fernseher mit LED-Backlight bieten die niedrigsten Verbrauchswerte.
- Budget — Mit LCD-Fernsehern kann man vor allem sparen, indem man sich für etwas kleinere Bilddiagonalen entscheidet. Bei großen Größen gilt: Plasmas besitzen das bessere Preis-Leistungsverhältnis.
- Einsatzort — Wird viel tagsüber ferngesehen und lässt sich das Zimmer nicht gründlich abdunkeln? Dann wird man die Vorteile eines Plasmas ohnehin kaum wahrnehmen.
Nun lässt sich die Frage hoffentlich etwas leichter beantworten. Falls aber immer noch Fragen offen sind oder einige Punkte zu kurz gekommen sind, dann möchten wir Sie gerne ermuntern, unsere Kommentarfunktion zu nutzen.
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