3D-TV mit Polarisationstechnik

LG 47LW650S CINEMA 3D Fernseher im Test

Mittwoch, 22.06.2011, von Manuel Rowinski

Der Markt für 3D-Fernseher ist hart umkämpft. Unter starkem Preiskampf und mit attraktiven Beigaben, wie exklusive 3D-Filme, buhlen die Hersteller um die Gunst der Kunden. Einen neuen Weg schlägt jetzt LG ein und will mit der CINEMA 3D Technologie den Markt aufmischen. So setzt LG erstmals auf die passive Polarisationstechnologie, wie sie auch in vielen 3D-Kinos eingesetzt wird und die im Vergleich zur aktiven Shutter-Technologie viele Vorteile bieten soll. Wie sich die neuen LG CINEMA 3D-TVs im Vergleich mit der Konkurrenz schlagen, wollen wir in folgendem Testbericht zeigen. Als Testkandidat wurde uns der LG 47LW650S CINEMA 3D Fernseher zur Verfügung gestellt.

LG 47LW650S TestLG 47LW650S bei Amazon.de

Testergebnis

  • Ausstattung18/20
    18/20
  • Vearbeitung16/20
    16/20
  • Bedienung28/30
    28/30
  • Bildqualität SD31/40
    31/40
  • Bildqualität HD32/40
    32/40
  • Bildqualität 3D34/40
    34/40
  • Tonqualität8/10
    8/10

Gesamt: 167/200 (84%)

Unsere Erwartungen an den LG 47LW650S sind recht groß. Nicht zuletzt weil LG selbst behauptet, der 47LW650S biete mit seiner Polarisationstechnik das komfortabelste 3D-Seherlebnis, ganz ohne Crosstalk-Effekte und das völlig flimmerfrei. Davon abgesehen muss aber auch das Gesamtpaket stimmen. Deshalb werden wir auch bei der Bildqualität im 2D-Betrieb ganz genau hinschauen und auf die neuen „Smart TV“-Funktionen etwas eingehen.

Technische Daten des LG 47LW650S
Typ LCD-TV mit Edge-LED Backlight
3D-TV Ja (Polarisationstechnologie)
Bildschirm 47 Zoll (119,4 cm Diagonale)
Auflösung 1920 x 1080 Pixel (1080p)
Kontrast (dyn.) 9.000.000:1
Reaktionszeit 2 Millisekunden
Bildrate TruMotion 200Hz
TV-Tuner DVB-T, DVB-C, DVB-S
Anschlüsse 4x HDMI, 2x USB, WLAN (optional)
Preis ab n.v. (Amazon)

Erster Eindruck, Anschlüsse und Testgeräte

Nachdem wir den 47LW650S von seiner Verpackung befreit haben, fiel das erste Urteil schon recht positiv aus. Wir haben zwar schon stylischere Designs von LG gesehen, aber der LW650S weiß in seinem schlichten Design und mit gerade mal 3 Zentimeter Tiefe zu gefallen. Die matte Frontscheibe ist zwar nicht ganz frei von Reflexionen, mindert diese aber deutlich. Der Rahmen selber ist schwarz und mit einer transparenten Umrandung versehen. Rechts unten im Rahmen befinden sich integrierte Sensortasten, deren Beleuchtung bei Bedarf auch ausgeschaltet werden kann. Der verchromte Fuß und die massive Bodenplatte machen ebenfalls einen guten Eindruck.

LG 47LW650S Lieferung LG 47LW650S Sensortasten LG 47LW650S Anschlüsse

Die Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Fernsehers und sind so angelegt, dass der LW650S problemlos zur Wandmontage geeignet ist. Die HDMI-Eingänge sowie die USB-Slots und der CI+-Schacht befinden sich seitlich, die restlichen Anschlüsse gehen nach unten weg. Und dank der beiliegenden Kabelbinder lässt sich der Kabelstrang hinter dem Standfuß verstecken.

Als Blu-ray-Player verwenden wir das mitgelieferte HX966TZ Home Cinema System, das über einen integrierten 3D-Blu-ray-Player verfügt. Das TV-Signal beziehen wir von Kabel Deutschland über den integrierten Tuner. Um unseren subjektiven Eindruck auch belegen zu können, werden wir den 47LW650S mit einem X-Rite Sensor einmessen und kalibrieren. Als Software kommt HCFR zum Einsatz und für die Testbilder greifen wir auf die AVS HD 709 Disc zurück.

Bedienung, „Smart TV“-Funktionen und Streaming

Bedienen lässt sich der LW650S über die Sensortasten direkt am Gerät oder über die Fernbedienung. An der Fernbedienung selber hat sich nicht sehr viel geändert. Das Gehäuse ist hochglanz schwarz und die Tasten sind nach wie vor beleuchtet. Neu sind die Tasten für 3D und einige Internet-Funktionen.

LG 47LW650S Fernbedienung

Das Bildschirmmenü ist übersichtlich und intuitiv zu bedienen. Hin und wieder war unser Testgerät jedoch etwas träge in der Menüführung. Zur Übersicht gelangt man über die blaue “Home”-Taste auf der Fernbedienung. Dort findet man schließlich die Einstellungen, hat aber auch Zugriff auf die ganzen neuen “Smart TV”-Funktionen. Darunter zum Beispiel Premium-Apps wie Facebook oder YouTube, Online-Videotheken wie maxdome oder kino.de, sowie jede Menge anderer Apps aus dem App-Store. Auch praktisch ist der integrierte Webbrowser, mit dem sich komplette Internetseiten öffnen lassen. Beim Surfen fiel aber auf, dass einige Flash-Inhalte nicht angezeigt wurden. Hier könnte LG vielleicht noch etwas nachbessern.

LG 47LW650S Menü LG 47LW650S Apps LG 47LW650S Webbrowser

Darüber hinaus ist der 47LW650S DLNA-zertifiziert und ermöglicht so den Datenaustausch mit anderen Geräten, wie Smartphones oder PCs. Die Wiedergabe erfolgt über die neue „Medienlink“-Plattform. Hierüber können dann Fotos oder Videos direkt auf dem Fernseher angesehen werden und das sogar in 3D – schließlich beherrscht der LW650S die 2D-3D-Konvertierung.

IPS-Panel, Edge-LED Backlight und LED Plus

Bevor wir zur Bildqualität übergehen, vielleicht noch ein paar technische Erklärungen. Und zwar verfügt der LG 47LW650S über ein IPS-Panel, das zwar eine höhere Blickwinkelunabhängigkeit verspricht, aber auch einen etwas schlechteren Schwarzwert nach sich zieht. Inwiefern sich das auf die Bildqualität auswirkt, werden wir sehen.

Edge LED vs. Direct LED

Die super flache Bauweise verdankt der LW650S seiner Edge-LED Hintergrundbeleuchtung. In kleinen Clustern sind die LEDs ringsherum des Gehäuses platziert, strahlen von dort hinter das Panel von wo aus das Licht dann direkt auf das Bild geleitet wird. Das Pendant wäre Full LED, wo sich die LED-Cluster direkt hinter dem Panel befinden. Etwas detaillierter erklärt kann man das in unserem LED-TV-Ratgeber durchlesen. Jedenfalls ist der LW650S auch in der Lage, einzelne LED-Cluster anzusteuern und zu dimmen. Das soll die Energieeffizienz sowie die Bildqualität verbessern. LG nennt diese Technologie „LED Plus“ und ist so eine Art „Local Dimming“.

2D-Bildqualität, Ausleuchtung und Schwarzwert

Im Standard-Modus hat unser Testgerät schon ein ganz passables Bild, mit dem die Meisten wohl zufrieden wären. Die Farben jedoch sind nicht ganz akurat, das Gamma ist zu niedrig und die Schärfe zu hoch eingestellt. Einen vorkalibrierten THX-Modus hat der LW650S zwar nicht, dafür aber zwei kalibrierbare ISF-Experten-Modi.

Die Ausleuchtung ist leider nicht sehr homogen, womit ja viele LED-TVs zu kämpfen haben und was auch der schlanken Bauweise geschuldet ist. Speziell in dunklen Szenen oder bei schwarzen Balken sieht man doch recht deutlich helle Lichtflecken, auch Clouding genannt, die meist auf Verspannungen des Panels zurückzuführen sind. Dieser Effekt fällt je nach Gerät unterschiedlich stark aus und lässt sich bei Edge-LED-TVs kaum vermeiden.

LG 47LW650S Ausleuchtung LG 47LW650S LED Plus

Unser Testgerät hat bei genauem Hinsehen auch hin wieder vertikale Streifen im Bild erkennen lassen. Das hängt ebenso mit der Ausleuchtung zusammen und fällt vor allem bei seitlichen Kameraschwenks auf. Dieses Phänomen, auch Banding genannt, ist ein sehr häufiges bei LCD- und LED-TVs aber wird wahrscheinlich auch nicht jedem Zuschauer auffallen.

Wie vermutet könnte der Schwarzwert besser sein. Der Kontrast wird zwar durch das seitliche Local Dimming etwas verbessert, ist aber immer noch nicht gut. Bei einem komplett schwarzen Bild wird die LED-Beleuchtung zwar dank „LED Plus“ runtergeregelt, aber sobald ein helles Objekt im Bild ist, wird diese wieder sichtbar hochgeregelt. Letztlich ist es wohl Geschmackssache, ob man Local Dimming aktiviert oder nicht. Wir haben es weitesgehend deaktiviert gelassen, oder wenn dann nur auf „Tief“ gestellt.

Kalibrierung, Messwerte und unsere Settings

Nach der Kalibrierung hat uns das Bild des 47LW650S schon deutlich besser gefallen. Der Kontrastumfang ist etwas gestiegen und auch die Farben wirken viel natürlicher. Der durchschnittliche Gammawert liegt mit nun 2,33 schon recht nahe am Ziel von 2,2 und auch bei der Grautreppe sind wir dem angepeilten Ziel von 100% ein gutes Stück näher gekommen.

LG 47LW650S RGB Niveau (vorher) LG 47LW650S RGB Niveau (nachher) LG 47LW650S CIE Diagramm

Messwerte (vorher) (nachher)
Helligkeit 256 cd/m² 123 cd/m²
Schwarzwert 0.33 cd/m² (ohne LD) 0.21 cd/m² (ohne LD)
0.01 cd/m² (mit LD)
Kontrastverhältnis 776:1 (ohne LD) 585:1 (ohne LD)
12.572:1 (mit LD)
ANSI-Kontrast 716:1 (ohne LD) 561:1 (ohne LD)
575:1 (mit LD)
Stromverbrauch 95 Watt 72 Watt
Settings für den LG 47LW650S
Bildmodus Expert1
Beleuchtung 45
Helligkeit 50
Kontrast 90
Schärfe h50 / v50
Farbe 50
Farbtemp. warm
Gamma 2.2
RGB Kontrast -33 / 2 / -4
RGB Helligkeit 1 / 0 / -1
Local Dimming aus oder tief
TruMotion aus oder tief

Der Schwarzwert ist im Vergleich zu anderen LCD- und LED-TVs zwar nach wie vor nur mäßig, der Gesamteindruck aber und das Bild durchhaus gut. Natürlich können unsere Settings auf anderen Geräten wieder ganz anders ausfallen, auch bedingt durch Serienstreuung, als Anhaltspunkt können diese jedoch gerne verwendet werden. Ist das Bild zu hell oder dunkel, kann einfach über die Beleuchtung nachjustiert werden. Auf die Farbdarstellung hatte das in unseren Messungen nur einen marginalen Einfluss.

3D-Bildqualität, Polarisation vs. Shutter-Technologie

Eines vorweg: das 3D-Bild kann sich wahrlich sehen lassen! Doch werfen wir erstmal ein Blick auf die zugrundeliegende Technologie. Der LG 47LW650S ist nämlich einer der ersten 3D-Fernseher, der auf die passive Polarisations-technologie statt die aktive Shutter-Technologie setzt.

Um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen, müssen dem linken und dem rechten Auge zwei leicht versetzte Bilder eines Motivs gezeigt werden. Das Gehirn setzt diese Bilder mit verschiedenen Perspektiven zu einem Bild mit Tiefeninformation zusammen. Bei der Polarisationstechnologie werden diese beiden Perspektiven statt in zwei aufeinander folgende Frames in einen einzigen Frame gepackt. Dadurch wird Crosstalk oder Ghosting auf ein Minimum reduziert, das Bild bleibt flimmerfrei.

LG 47LW650S CINEMA 3D

Was in der Theorie funktionieren müsste, scheint sich auch in der Praxis zu bewahrheiten. Der LG 47LW650S zeigt kein Flimmern, so gut wie kein Ghosting und auch Crosstalk ist uns nur in wenigen Szenen aufgefallen. Obendrein ist der Blickwinkel erstaunlich gut und das Bild an sich viel heller als bei der Shutter-Technologie. Doch wo ist der Haken? Aufgrund der FPR-Technik (Film Patterned Retarder) und dadurch, dass nun die zwei Perspektiven in einem Frame gezeigt werden, halbiert sich die Auflösung in der 3D-Wiedergabe.

Bei hochauflösenden 3D-Filmen wie von Blu-rays ist uns das nur geringfügig bis gar nicht aufgefallen. Doch bei weniger gut auflösendem Material oder auf größeren 3D-TVs könnte die halbierte Auflösung sichtbar werden. Das sollte auch hinsichtlich des Sitzabstands berücksichtigt werden.

Kleiner Hinweis: Auch im 3D-Modus lässt sich das Bild kalibrieren. Dafür einfach während der 3D-Wiedergabe auf “Q.Menu” auf der Fernbedienung drücken, die Videoeinstellungen wählen und dann lässt sich einer der Expert-Modi einstellen. Hier können wieder unsere Settings genommen werden, die Beleuchtung sollte jedoch erhöht werden.

2D-3D-Konvertierung und Polfilterbrillen

Ebenso erstaunlich fanden wir die 2D-3D-Konvertierung. Was nicht wenige als unnützes Gimmick abgewatscht haben, meistert der LW650S beeindruckend gut. Selbst herkömmliche Bilder oder Filme werden per Knopfdruck in 3D umgewandelt. Der Effekt ist zwar nicht mit richtigem 3D-Material zu vergleichen, kann sich aber sehen lassen.

LG Polfilterbrillen

Und was viele an Shutterbrillen kritisiert haben – sie wären zu teuer und einfach nicht komfortabel, das Bild zu dunkel etc. – gehört mit Polfilterbrillen der Vergangenheit an. Diese sind sehr komfortabel, kosten nur ein Bruchteil einer Shutterbrille und lassen sich unabhängig vom Hersteller verwenden. Man könnte theoretisch auch die 1-Euro-Brille aus dem 3D-Kino verwenden.

Ob der passiven Polarisationstechnik nun die Zukunft gehört, möchten wir nicht wagen vorauszusagen. Sie hat ihre Vor- und auch Nachteile. Preislich gesehen, ist sie der Shutter-Technik aber deutlich überlegen.

Tonqualität offenbart keine Überraschungen

Bei der Tonqualität eines Flachbildfernsehers darf man natürlich nicht zu viel erwarten. In so einem schlanken Gehäuse ist kaum Platz für angemessene Lautsprecher. Deshalb fließt diese auch mit nur 10 Punkten in unsere Gesamtwertung ein. Der LG 47LW65S macht aber einen ganz vernünftigen Klang, mit hoher Sprachverständlichkeit. Das Klangbild insgesamt ist etwas „flach“ und die Tiefen fehlen. Wer aber einen 3D-Fernseher kauft, sollte ohnehin eine passende Anlage mit Surround Sound besitzen.

Unser Fazit und Testurteil

LG 47LW650S Testurteil Der LG 47LW650S ist ein sehr gut ausgestatteter 3D-Fernseher mit zahlreichen spannenden Internet-Funktionen und einer 3D-Technologie, die Potential hat. Eine flimmerfreie und helle 3D-Wiedergabe mit nur wenigen Bildfehlern zeichnen den LW650S aus. Bei der Bildqualität an sich zeigt er jedoch einige Schwächen, insbesondere beim Kontrast und der schlechten Ausleuchtung. Deshalb empfehlen wir den LG CINEMA 3D vor allem für die Nutzung im Wohnzimmer bei einem 3D-Abend mit der Familie. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier sehr gut!


URL: http://www.tvfacts.de/artikel/5991-lg-47lw650s-cinema-3d-fernseher-test.html