Das Fernsehen der Zukunft

Smart-TV Ratgeber: Fernsehen trifft Internet

Samstag, 28.05.2011, von Jan
Smart TV Smart Hub: Das Netzwerk-Menü für den Samsung Smart TV

„Smart TV“ hört man in den letzten Monaten ständig. Mit der Vokabel suggerieren Hersteller von Fernsehern, Computern, oder Fernbedienungen, dass sie den Fernseher irgendwie schlauer machen können — so kann man das englische „Smart“ schließlich übersetzen. Aber Fernseher haben keinen IQ, den man auf das Datenblatt schreiben könnte. Was also heißt „Smart TV“ genau? Immer etwas anderes. Jeder Hersteller liefert seine eigene Definition. Einig sind sich alle nur bei einem: Es geht um’s Internet. Wir schauen genauer hin, und verraten, wo mit Smart TV was gemeint ist.

Smart TV: Eine kurze Definition

Smart TV lässt sich durchaus eindeutig definieren — wenn man es mit den Details nicht zu genau nimmt. Der Begriff bezeichnet die Integration von klassischem Fernsehen und der Nutzung des Internets in allen Facetten. Ob der Fernseher die Funktionen bereits mitbringt, ob Smart TV per Set-Top-Box oder PC nachgerüstet wird, ist dabei unerheblich. Auch der genaue Funktionsumfang variiert.

Was ist mit Smart TV möglich?

  • Im Internet surfen — Ein vollwertiger Browser klingt auf den ersten Blick gut. In der Praxis ist der Browser oft nicht die ideale Lösung. Praktisch alle Inhalte aufzurufen, bedeutet zwar große Freiheit. Allerdings können Flash-Inhalte je nach Smart-TV-Lösung streiken. Und nicht mit jeder Fernbedienung navigiert man komfortabel durch das Netz.
  • Channels — Widgets, Channels, Apps werden die extra für den Fernseher formatierten Versionen von Netzinhalten genannt. Es gibt sie noch, und oft stellen sie die Ideallösung dar, um Fernsehen und Internet zu vereinen.
  • HbbTV — Über den Internetvideotext haben wir bereits berichtet. Er ist immer häufiger drin, wo Smart TV draufsteht.
  • Streaming im Netzwerk — Videos und Musik auf dem PC abspeichern, dann vom Fernseher aus darauf zugreifen; auch unter dem Stichwort DLNA begegnen einem die Streamingfähigkeiten. In der Praxis gibt es Unterschiede, wie genau man die Inhalte durchsucht, welche Rechner man anbinden kann.
  • Medienzentrale — Fernseher mit starken Netzwerkfunktionen, oder mit eigenem angeschlossenen Datenträger können direkt auf Fotos, Filme und Musik zugreifen, sie vielleicht auch in Playlists organisieren.
  • In Verbindung bleiben — Von der vorgefertigten Facebook-App bis zur Möglichkeit, Videotelefonate per Skype zu betreiben, reichen die Möglichkeiten.
  • Steuerung per Smartphone oder Tablet — Wie man einen Smart TV steuert, ist immer eine spannende Frage. Neben Minitastaturen mit Touchpad, Fernbedienungen mit Touchscreen und weiteren Designabenteuern gibt es immer häufiger die Möglichkeit, bestimmte Smartphones oder Tablets per App mit dem Fernseher zu verbinden. Das Potential für mehr Komfort bei der Steuerung liegt auf der Hand.

Für den richtigen Überblick reicht das Modewort also nicht aus. Klüger ist es, sich zu überlegen, was der Fernseher können soll — und dann gezielt danach zu suchen. Dafür muss man allerdings auch wissen, was zur Wahl steht.

Philips Smart TV

Wer redet von Smart TV?

Etwas genauer kann man Smart TV fassen, wenn man sich die genauen Definitionen der Hersteller anschaut.

Intel, Google Sony und Logitech haben zusammen Google TV entwickelt, eine Lösung, die auch als Smart TV bezeichnet wird. Der Funktionsumfang von Google TV klingt märchenhaft. Komfortabel lassen sich ein vollwertiger Browser, übersichtliche Widgets und eine einfache Inhaltssuche durch alle Quellen vom Heimnetzwerk bis zum Fernsehprogramm vom Sofa aus steuern. Das ambitionierte Projekt hätte schon starten sollen, erste Geräte haben aber noch nicht den erhofften Komfort gebracht.

LG bezeichnet die eigene Lösung inzwischen ganz unverblümt als „Smart TV“. Bei LG versteht man darunter ein übersichtliches Dashboard, von dem aus heruntergeladene Apps, Medien aus dem Netzwerk, Nachrichten, Spiele und Bezahlinhalte auf den Fernseher kommen. Am besten steuert man LGs Lösung mit der Magic Motion Remote Control.

Samsung verkauft ebenfalls einige Fernseher als „Smart TV“. Bei der aktuellen Serie 9 bekommt man damit das Paket aus Internet@TV (Apps und Kanäle), AllShare (Streaming im Netzwerk) und PVR (Festplatten per USB anschließen und Aufzeichnen). Komfortabel funktioniert die Steuerung mit der Touch Fernbedienung mit 3-Zoll-Bildschirm.

Auch Panasonic, Sharp und Philips bringen ihre Top-Fernseher mit Viera Connect, Aquos Net+ und Net TV online. Highlight bei Panasonic ist bisher das Skypen mit Zusatzkamera, außerdem der Viera Connect Market mit immer mehr Apps. Auch Spiele sind im Anmarsch. Sharp setzt ebenfalls voll auf Apps (nach Herstellerangaben inzwischen 70 Stück), integriert aber auch einen Browser für den Zugriff auf das rohe Internet. Philips bietet inzwischen auch das drahtlose Streaming des Bildschirminhalts vom Laptop zum Fernseher an. Auch Online-Videoshops gehören zum Sortiment.

Fragen und Fallstricke zu Smart TV

Smart TV ist also eine überaus vielseitige Angelegenheit. Wer jetzt aber begeistert den erstbesten Smart TV bestellt, agiert selbst nicht besonders smart. Wir verraten ein paar Fallen, die sich durch gezieltes Nachfragen und -schauen vorher umgehen lassen.

Komfort: Kein Mensch will einen normalen Internetbrowser mit einer normalen Fernbedienung bedienen. Kein Mensch will lange Internetadressen mit einem Mauszeiger zusammenklicken. Aber mit der Tastatur auf dem Schoß Fernsehen ist auch nicht jedermann’s Sache. Smarte Fernseher kommen immer öfter mit innovativen Fernbedienungen: LG setzt auf einen Mauszeiger, Samsung auf den Touchscreen, Panasonic will gleich vollwertige Tablets als Zubehör anbieten. Was wirklich komfortabel ist, hängt von den Vorlieben und Zielen des Zuschauers ab. Selber testen ist ein Muss.

Kompatibilität: Wird die Lieblingswebseite vom speziellen Browser sauber dargestellt? Kann der Fernseher auf das eigene Heimnetzwerk zugreifen? Versteht er die Dateiformate, in denen Videos, Musik und Fotos abgelegt sind? Wer nicht vorher genau nachfragt, hat nachher vielleicht Pech.

Komplexität: Man kann natürlich auch direkt einen PC an den Fernseher anschließen. Die meisten Menschen machen das nicht, weil sie es auf dem Sofa gern einfacher und übersichtlicher hätten. Mit Smart TV werden Fernseher nicht nur vielseitiger, sondern auch komplexer. Wer schonmal vor komplizierten Menüs verzweifelt, sollte die Wunschlösung unbedingt vorher ausprobieren.

Kosten: Smart TV steckt eher in teuren Fernsehern, vor allem, wenn es die neuesten Funktionen sein sollen. Dankbarer Weise gibt es spezielle Set-Top-Boxen, oder auch Blu-ray-Player, mit denen Smart TV deutlich billiger nachgerüstet wird. Anders als bei 3D gibt also durchaus billige Wege, einzusteigen.

Jetzt einschalten?

Mit der aktuellen Generation neuer Fernseher hat Smart TV einen echten Entwicklungsschub hingelegt. Jeder große Hersteller hat jetzt seine ambitionierte Lösung für Internet im Fernsehen. Kunden müssen sich nun gut überlegen, was wichtig ist. Wer sowieso einen neuen Fernseher kaufen will, sollte sich auf jeden Fall über die Smart-TV-Funktionen des neuen Geräts informieren. Wer billig einsteigen will, hält nach Set-Top-Boxen oder anderen Geräten Ausschau, die Smart TV mitbringen.

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