Was macht sie? Was kann sie?

Ratgeber: Bildverbesserung im Fernseher

Montag, 13.12.2010, von Jan

Wer heute einen Fernseher kauft, der kauft auch ein Werbeversprechen. Jeder Hersteller setzt heute Computertechnik zur Bildverbesserung ein. Jede hat einen anderen, geschützten Namen. Und jeder Hersteller verspricht natürlich, dass die eigene Technologie am besten ist. Vergleiche werden damit praktisch unmöglich. Schon die Entscheidung zwischen Bravia Engine 2 und Bravia Engine 3 (Tipp: 3 ist besser), geschweige denn zwischen Sonys Bildverbesserung und etwa der Hyper Real Engine von Samsung dürfte die meisten Kunden überfordern. Und die Sache ist auch nicht ganz einfach. Die Technologien verfolgen unterschiedliche Ziele, besitzen individuelle Stärken und werden alle laufend weiterentwickelt.

Wie entsteht ein gutes Bild?

Die Erfahrung ist sehr gängig: Man kauft sich einen teuren Fernseher, schließt ihn an, und ist ernüchtert. Die möglichen Ursachen dafür sind sehr vielfältig. Wir erklären kurz die entscheidenden Aspekte für Bildqualität. So stellen wir hoffentlich sicher, dass niemand die Bildverbesserer überschätzt. Denn mehr als ein Baustein ist die Technologie nie.

Gutes Quellmaterial spielt die Hauptrolle. Video sollte möglichst in HD-Auflösung vorliegen und idealer Weise über den HDMI-Port kommen. Selbst unter verschiedenen Blu-rays gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede, was Schärfe, Kontrast und Farbbrillanz betrifft. Und Ruckeln ist ein Thema für sich. Wer Angst davor hat, liest in unserem Hertz-Ratgeber weiter.

isfDie richtigen Einstellungen am Fernseher sind wichtig. Zuschauer mit einem Auge für Details achten auf Fernsehgeräte mit isf-Kalibrierung und stellen die Farben richtig ein — oder lassen das gleich vom Profi erledigen. Grundsätzlich sollte jeder neue Fernseher auf Sehgewohnheiten, Vorlieben und die Raumbedingungen eingestellt werden, sonst verschenkt man zwangsläufig viel Qualität.

Wenn nun aber der Fernseher gut eingestellt, und das Bildmaterial nicht besser zu haben ist, dann rückt die Frage in den Mittelpunkt, was Bildverbesserer konkret leisten — und was Zuschauer davon zuletzt gesehen haben. Die Schwerpunkte mögen jeweils anders liegen. Aber fast immer geht es darum, dass Farben stärker gesättigt und brillanter scheinen sollen, der Kontrast erhöht wird und trotzdem feine Farb- und Grauabstufungen erkennbar bleiben. Wird ein Bild aus niedrigen Auflösungen hochskaliert, beginnt ein ganz neuer Kampf gegen grobe Raster und Artefakte.

Samsung: 3D Hyper Real Engine

3D Hyper Real EngineDer Name ist nicht eben bescheiden, aber damit befindet sich Samsung in guter Gesellschaft. Mit der Einführung von 3D-Fernsehern hat Samsung aus der Hyper Real Engine die 3D Hyper Real Engine gemacht. Farbe, Brillanz und Kontrast des Bildes wurden auch in 2D-Zeiten von dem Bildverbesserer optimiert. Vor allem die Kontraststeigerung durch mehrere Bearbeitungsschritte hebt der Hersteller stolz hervor. In der 3D-Version wird das Bild nun für 3D-Inhalte optimiert, was in aller Regel auch heißt: aufgehellt. Die aktuelle Lösung zur Kontrast-steigerung heißt “Mega Dynamic Contrast”, während die Nachregelung der Farbtöne unter “Wide Color Enhancer Plus” firmiert.

Auch in der Praxis kann sich die Hyper Real Engine durchaus sehen lassen. Bei großen Bildschirmdiagonalen und Inhalten in Standardauflösung leidet die Bildqualität deutlich, das sogenannte Upscaling gehört also nicht zu den Stärken. Farbbrillanz und Kontrast gelten dagegen als gut.

Sony: Bravia Engine 3

Bravia Engine 3Sony liefert mit der Bravia Engine 3 eine Rundumlösung für Bildqualität. Inhalte in niedriger und hoher Auflösung werden auf Kontrast, Farbsättigung und Bildschärfe abgeklopft. Bildrauschen wird gezielt gesenkt. Besonders, wenn der Kontrast des Quellmaterials zu niedrig ist, verspricht Sony eine deutliche Qualitätssteigerung. Auch der ACE abgekürzte Advanced Color Enhancer verspricht brillantere Bilder. Tatsächlich bekommen aktuelle Sony-Fernseher mit Bravia Engine 3 gute Noten bei der Bildqualität.

Philips: Perfect Pixel HD Engine

Perfect Pixel HD EngineIn den aktuellen Topmodellen aus Philips’ Sortiment steckt die Perfect Pixel HD Engine. Auch diese Technologie soll alles besser machen. Besonders große Stücke hält Philips auf die Schärfe und Klarheit des Bildes. Störenden Kompressionsartefakten soll die Technologie den Garaus machen. Helligkeit und Kontrast sollen besonders profitieren, wenn der Fernseher mit LED Pro und Bright Pro Local Dimming umsetzt.

In der Praxis werden vor allem Schärfe und Kontrast der Philips-Fernseher häufig gelobt. In puncto Farbbrillanz und Natürlichkeit hat Philips durchaus auch Kritiker.

LG: XD Dual Engine

XD Dual EngineAutomatische Farbkorrektur, höherer Kontrast, mehr Details in dunklen Bildbereichen sowie eine allgemeine Qualitätssteigerung bei niedrig auflösenden Inhalten — das sind die Werbeversprechen, die LG mit seiner XD Dual Engine verbindet. Die Engine landet auch in Einstiegsmodellen des Fernsehers. Stark finden wir, dass mit dem Picture Wizard auch eine einfache Bildkalibrierung auf günstigen LG-Fernsehern landet. Für tolle Bildhelligkeit und wirklich hohen Kontrast muss man aber natürlich zu teureren Modellen von LG greifen.

Sharp: Quattron und UV²A statt “Bildverbesserung”

QuattronDoch, auch Sharp hat Technologien zur Bildverbesserung an Bord. Aber der Hersteller wirbt eher mit seinem vierten, gelben Subpixel, das in den Quattron-Panels zum Einsatz kommt, um uns unerreichte Farbqualität zu versprechen. Alles Gelbe, aber auch Hauttöne sollen damit viel natürlicher aussehen. Auch die sogenannte UV²A-Technologie für LCD-Panels hat der Hersteller als Gewinn für die Bildqualität beworben.

Aktuelle Topmodelle von Sharp schneiden durchaus gut ab, auch der Bildprozessor soll bei der Hochskalierung sauber arbeiten. Mitunter wurde kritisiert, die Farbdarstellung sei ab Werk nicht gut — nach sorgfältiger Feineinstellung aber sehr wohl.

Panasonic: V-real PRO 5

V-real PRO 5Panasonic setzt bei den Produktnamen eher auf Technik, als auf Magie. Die Signalverarbeitung V-real PRO 5 soll wohl vor allem professionell klingen. Wie auch bei anderen Herstellern sorgt ein Prozessor für mehr Bildschärfe, ruckelfreie Bewegungsdarstellung und möglichst feine Farbabstufungen. Die Engine liegt auch in einer neuen Version mit Optimierung für 3D-Inhalte vor.

V-real Pro 5 scheint nicht nur ein Marketingversprechen zu sein — aktuelle Modelle von Panasonic werden im Bezug auf die Bildqualität immer wieder gelobt. Nicht nur Plasmas, bei denen Panasonic sowieso einen guten Ruf besitzt, haben in Tests der letzten Zeit stark abgeschnitten.

Toshiba: Meta Brain

Meta BrainVom einleuchtend betitelten “Pixel Processing” hat Toshiba sich mit einem Leistungssprung entfernt. Auch der Name des neuen Chips “Meta Brain” ist weit von der Normalität entfernt. Dahinter steckt allerdings ein rundes Paket aus Technologien zur Bildverbesserung: Resolution+ soll Textur und Kantenschärfe von Bildern in niedriger Auflösung stark verbessern, AutoView passt optimiert die Panelbeleuchtung nach Helligkeit des Bildes und des Raumes, in dem geschaut wird und Active Vision bessert bei Kontrast, Farbe und Bewegungsdarstellung nach.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vom Start weg, ohne große Einstellungsarbeit sollen aktuelle Toshiba-Modelle mit natürlichen Farben, hohem Kontrast und guten Schwarzwerten überzeugen.

Selber schauen

Lösungen zur Bildverbesserung haben einen klaren Vorteil: Anders als viele Vor- und Nachteile aktueller Fernseher lassen sie sich einfach testen und vergleichen. Wer ein gutes Auge für Farben hat, sollte womöglich eher auf gute Kalibrierungsoptionen achten. Wer aber auch mal Fernsehen in Standard-Auflösung schaut, allergisch auf Artefakte reagiert oder sich über vermatschte Grauabstufungen ärgert, dem sei ein persönlicher Test der Technologien dringend empfohlen. Einfach in den Fachhandel gehen, und die Bildverbesserer aus- und einschalten lassen!


URL: http://www.tvfacts.de/artikel/3552-ratgeber-bildverbesserung-fernseher.html