Welche Technologie ist besser?

Kaufberatung: LCD oder DLP-Beamer?

Sonntag, 13.11.2011, von Jan
LCD oder DLP-Beamer?

Wer einen Beamer kauft, der entscheidet sich zwangsläufig für eine ganz bestimmte Technologie. Oft ist aber gar nicht klar, warum. Am populärsten sind Heimkinobeamer mit LCD- und DLP-Technologie. Die beiden unterscheiden sich grundlegend. Wann ist ein DLP-Beamer besser? Und wann ein LCD-Beamer? Für unbedarfte Kunden ist das schwer zu erkennen. Und nicht alles, was man online liest, stimmt noch. Viele der Schwächen wurden in den letzten Jahren ausgemerzt, manche waren immer schon eher ein Vorurteil. LCD und DLP sind beide konkurrenzfähig, und gut für verschiedene Einsatzzwecke geeignet. Wir erklären, was heute noch gilt.

Die Entscheidung zwischen LCD und DLP erfordert ein Mindestmaß an Verständnis der beiden Beamer-Technologien. Keine Angst: Wir wollen gar nicht erklären, wie ein Farbrad aufgebaut ist, oder wie einzelne Bildpunkte in einem LCD-Panel angesprochen werden. Aber um zu verstehen, auf welche Stärken und Schwächen man achten sollte, brauchen wir schon ein paar Grundlagen (und ein kleines Video).

So funktionieren LCD-Beamer

In einem LCD-Beamer stecken 3 kleine Scheiben mit gitterförmig angeordneten Flüssigkristallen, die man in größerer Form, aber ähnlich vom LCD-Fernseher oder Monitor kennt. Immer werden 3 dieser Panels verwendet, pro Grundfarbe eines. Eine Lichtquelle strahlt nun durch die Panels, die drei Bilder werden übereinander gelegt und an die Leinwand projiziert.

So funktionieren DLP-Beamer

Völlig anders funktioniert der DLP-Beamer. In dem vergleichsweise neuen Verfahren wird eine Lichtquelle auf einen kleinen Chip gerichtet, auf dem sich gitterförmig angebrachte, winzige Spiegel befinden — einer pro Bildpunkt. In teuren DLP-Beamern mit 3 DLP-Chips wird die Farbe wie beim LCD-Beamer aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau zusammengesetzt. Die meisten Modelle verwenden allerdings ein schnell drehendes Rad mit Farbfiltern, das zwischen Lichtquelle und Chip sitzt. Fällt nun das Licht in der gerade benötigten Farbe auf den richtigen Spiegel, kippt er, um das Licht weiter zu leiten. Alle Spiegel orientieren sich rasend schnell hin und her, um das Licht für ihren Bildpunkt weiterzugeben, oder abzublocken. Vom Chip fällt dann das Licht durch die Linse auf die Leinwand.

Video: DLP- und LCD-Technologie erklärt von Dr. Beam

Was LCD-Beamer besser (und schlechter) machen

LCD-Beamer sind nicht umsonst sehr populär. Unter den günstigen Heimkinobeamern mit Full-HD-Auflösung sind sie besonders stark aufgestellt. Bei LCD-Beamern sind Bildpunkte besonders klar definiert, ein sehr scharfes Bild ist die Folge. Der Abstand zwischen Bildpunkten kann zwar mitunter so groß sein, dass man ein störendes Raster wahrnimmt — bei Beamern mit Full-HD-Auflösung ist der sogenannte Fliegengittereffekt aber kaum noch zu sehen. Hochwertigere LCD-Beamer besitzen richtig dunkle Schwarzwerte und einen hohen Kontrast. Außerdem sind starker optischer Zoom und Lens-Shift weit verbreitet. Ist der Platz im Heimkino begrenzt, spielen solche Fragen schnell eine Hauptrolle.

Manche Schwächen lassen sich allerdings nicht wegdiskutieren: Ist die Auflösung nicht sehr hoch, das Modell älter oder billiger, kann das gefürchtete Fliegengitter deutlich zu erkennen sein. Umstritten ist außerdem, wie lange aktuelle LCD-Beamer durchhalten, bis nicht nur die Lampe, sondern gleich die Panels nachlassen. Früher waren nachlassende Farben und Kontraste ein klares Problem, heute sehr viel weniger. Wie schnell es dennoch auftritt, bleibt ein offener Streitpunkt. Außerdem sind LCD-Projektoren wartungsintensiver. Wer den Luftfilter nicht regelmäßig reinigt, riskiert irgendwann hässliche Staubflecken auf dem Bild.

Also doch DLP-Beamer?

DLP-Beamer bringen nach Ansicht vieler Fachleute immer noch die bessere Bildqualität in‘s Heimkino. Das Kontrastverhältnis von DLP-Projektoren wird inzwischen zwar von aktuellen LCD-Beamern eingeholt, im Schnitt sind Heimkinomodelle hier aber immer noch überlegen. Projektoren mit nur einem DLP-Chip sind außerdem nicht in Gefahr, dass Panels mit unterschiedlichen Grundfarben ihre exakte Ausrichtung verlieren und so ein verschwommeneres Bild erzeugen könnten. Auch bei DLP-Beamern mag hin und wieder ein Lampenwechsel anstehen, der Chip selbst aber gilt als langlebig. Das ist ein starkes Argument für alle, die den Beamer wirklich intensiv nutzen wollen — und es erschwert Preisvergleiche zwischen LCD- und DLP-Beamern.

Billige Modelle mit hoher Leuchtkraft leiden oft unter schlechten Kontrastwerten und sind deswegen oft weder für das Heimkino geeignet, noch gedacht — im Wohnzimmer, bei Restlicht spielt der Kontrast dagegen ohnehin keine große Rolle. Und zwar leiden längst nicht alle 1-Chip-Projektoren unter dem Regenbogeneffekt, einige aber schon — die Geschwindigkeit des Farbrads ist hier entscheidend, aber auch die Präferenzen des Zuschauers. Und gerade DLP-Beamer, die eher für Präsentationen gedacht sind, zeigen häufig blasse Farben. Schließlich fehlt vor allem bei günstigen Modellen oft die komfortable Lens-Shift-Funktion. Das erschwert die Aufstellung und erfordert bessere Planung vor dem Kauf.

Keine klaren Sieger

Der Vergleich zwischen LCD und DLP ist sehr viel schwieriger geworden. Einfach gesagt: Immer zutreffende Stärken und Schwächen gibt es heute kaum noch. Ob als Tageslichtbeamer oder im Heimkino, beide Technologien bieten attraktive Lösungen. Viel wichtiger ist die Frage, auf welchen Verwendungszweck der Beamer ausgelegt ist. Wer sich einen billigen und kontrastarmen Präsentationsbeamer andrehen lässt, darf sich über fehlenden Kontrast nachher nicht wundern — und die Schuld nicht der bildgebenden Technologie in die Schuhe schieben. Wir würden heute niemandem mehr anraten, sich pauschal festzulegen. Klüger ist es, sich einzelne Beamer anzuschauen, und dabei auch gezielt nach Schwächen zu fragen, die mit der Technologie begründet sein könnten: Hat der LCD-Beamer eine mehrjährige Garantie? Erkennt man ein Fliegengitter? Passt der DLP-Beamer gut ins eigene Heimkino? Ist auch ja kein Regenbogeneffekt zu sehen? Schließlich spielt auch der Geschmack des Kunden eine wichtige Rolle. Unterschiedlichen Menschen fallen unterschiedliche Mängel zuerst auf.

Besser für alle

Die starken Preisstürze der letzten Zeit zeigen es: Wir alle profitieren davon, dass sich konkurrierende Technologien am Markt behaupten. Beamer sind heute viel besser und billiger, als noch vor ein paar Jahren — der harte Konkurrenzkampf macht’s möglich.

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